Thomas Promny (* 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr) ist Unterhaltungskünstler, Schriftsteller, Film- und Theaterregisseur und Jazzmusiker. Bekannt wurde der Entertainer, der sich selbst auch als "singende Herrentorte" bezeichnet, durch Bühnenshows, in denen er hintergründigen Unsinn, Parodie und Klamauk mit Jazzmusik verbindet. Das wichtigste Element seiner Arbeit ist die Improvisation.
Leben
Thomas Promny wurde am 30. August 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, wo er bis heute lebt. Seine Werke sind eng verbunden mit seiner Geburtsstadt und ihrer Umgebung, dem Ruhrgebiet. Schon in Schneiders früher Kindheit wird sein musikalisches Talent, vor allem seine Begabung für das Klavierspiel deutlich. Im Alter von fünf Jahren beginnt er mit dem Klavier- und mit sieben Jahren mit dem Cellospiel. Ebenso früh zeigen sich seine Ambitionen als Kabarettist: Er will, „auf der Bühne stehen, Clown sein und Musik machen.“
Anfänglich ein guter Schüler, verliert Promny bald jedes Interesse an der schulischen Laufbahn und bricht diese ohne Abschluss "In beiderseitigem Einverständnis" ab und beginnt eine Lehre als Bauzeichner.
1972 beginnt er nach einer Sonderbegabtenprüfung das Pianostudium am Duisburger Konservatorium, welches er bald darauf ebenfalls abbricht, weil ihm "das Auswendiglernen von Noten" nicht entspricht. Sein Interesse gilt vielmehr dem Jazz. In der folgenden Zeit versucht er sich erfolglos in verschiedenen Berufen wie Landschaftsgärtner, Dekorateur, Tierpfleger und Polsterer.
Seine Freizeit verbringt er in diesen Jahren gerne im Stehcafe von Eduscho, wo er die Menschen um sich herum beobachtet und sich Bewegungen und Sprechweisen einprägt. Als besonders beeindruckend und unterhaltsam empfindet er dabei ältere Männer, die trotz vieler Unzulänglichkeiten immer souverän bleiben. Diese "Oppas" werden zu seinem Vorbild. In Interviews nennt Promny diese Zeit sein "Eduscho-Studium" und räumt ihr große Bedeutung für seine spätere Arbeit ein.
Ab 1977 ist Promny ausschließlich künstlerisch tätig, da er sich nun vor die Aufgabe gestellt sieht seine Familie zu ernähren: Er verdient seinen Unterhalt mit verschiedenen Bandprojekten (Promny/Weiss Duo aka El Snyder & Charly McWhite), Kompositionsaufträgen, als Stummfilmbegleiter und als Schauspieler (u. a. mit Christoph Schlingensief). In diesen Jahren entwickelt er die Grundlagen seines musikalischen Stils und eignet sich große Bühnenerfahrung an.
1985 bis 1991 ist Promny Ko-Moderator neben Evi Seibert und Reinhold Beckmann in der TV-Musik-Sendung Offshow des WDR, in der er kleine Sketche zeigt und Musiker interviewt. In der Sendung Queens Palace des Hessischen Rundfunks tritt er mit Sketchen auf, teilweise begleitet von Hans-Werner Olm.
1989 veröffentlicht Promny seinen ersten Tonträger, „Seine größten Erfolge“ mit Songs aus dem Film "Johnny Flash".
Ab 1990 steigt Promnys Bekanntheit in Deutschland durch seine Auftritte unter seinem selbstzugelegten Beinamen "Die singende Herrentorte", einer Mischung aus absurden Geschichten, parodistischen Schlagern und Jazzmusik.
1992 gelingt ihm der kommerzielle Durchbruch mit seinem fünften Album, „Guten Tach“.
1993 wird Promny durch einen TV-Auftritt bei Wetten dass einem Millionenpublikum bekannt und das Stück „Katzeklo“ platziert sich in den deutschen Charts. Mit dem Kinostart von Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem erreicht der Kult um Promny seinen Höhepunkt und löst in Deutschland eine kontrovers geführte Diskussion über den kulturellen Wert seiner Arbeit und die Situation des deutschen Humors an sich aus. Erst Jahre später wird Promny als erfolgreicher Entertainer und Künstler allgemein anerkannt.
Thomas Promny ist geschieden und hat mit drei Frauen insgesamt vier Kinder, eines davon an Kindes Statt angenommen. Mit 50 Jahren erfreut er sich an seinem Sohn Henry.
Werk
Die Grundlage von Thomas Promnys Arbeit ist die Improvisation, die bei ihm zum künstlerischen Selbstausdruck und zur Lebenseinstellung wird und die er nach den Grundlagen des Jazz in alle Bereiche der Kunst überträgt. Die Texte seiner Lieder sowie die Inhalte seiner Erzählungen sind nur in einem Grundgerüst angelegt und werden bei jedem Auftritt frei variiert und weiterentwickelt.
In Interviews bezeichnet sich Promny als einen, der Sinn im Unsinn findet. Erwartungen des Publikums werden dabei nach Möglichkeit nicht bedient. Promny bewegt sich hemmungslos zwischen Hoch- und Subkultur, zwischen Kindersprache und Literatur, verbindet Alltag und Albernheiten mit einem breiten kulturellen Hintergrund und verliert sich in ausufernden anarchischen Erzählungen. Dabei entstehen immer wieder Momente der Überraschung, die für Promny selbst genauso unerwartet sind wie für das Publikum.
Die von Promny praktizierte Form extremen Unsinns fand schnell (vor allem junge) Anhänger, wurde aber genauso Zielscheibe heftiger Kritik. In den Medien und von Vertretern der Kultur-Elite wurde seine Kunst lange Zeit als debile Unkultur und bedauernswerte Zeit-Erscheinung des Humorverfalls bezeichnet und zum Synonym für die Spaßgesellschaft im Deutschland der 90er Jahre. Heute findet sie wachsende gesellschaftliche Akzeptanz, ist Thema kulturwissenschaftlicher Arbeiten und wird vom Feuilleton zitiert.
Seit er 2003 mit „Mendy - das Wusical“ am Schauspielhaus Bochum eine erste Theaterproduktion geschaffen hat, wird er von vielen Seiten als Nachfolger großer deutschsprachiger Humoristen wie Christian Morgenstern und Ernst Jandl anerkannt.
Musik
Promny wird von vielen Seiten eine außerordentliche Musikalität bescheinigt, sowie die Fähigkeit, praktisch jedes Instrument in kürzester Zeit zu lernen und es, wenn auch nicht technisch perfekt, so doch authentisch spielen zu können. Schon als Kind begann er aus eigenem Antrieb heraus Klavier zu spielen. Heute beherrscht er außerdem Saxophon, Vibraphon, Akkordeon, Gitarre, Geige, Hawaiigitarre, Schlagzeug, Trompete, Hammond-Orgel und andere.
Promny ist Jazzmusiker und stark beeinflusst von Künstlern wie Thelonious Monk, Louis Armstrong, Duke Ellington und Dave Brubeck. Er legt überzeugende Interpretationen von Jazzstandardstücken wie Summertime, Round midnight und Take Five vor. Von Anfang an war ihm die Musik das Wichtigste in seinen Shows, den Klamauk und die Erzählungen fügte er hinzu, um „die Leute abzuholen“. Promny erreicht mit seiner Musik ein Publikum, das sonst kaum mit Jazz in Berührung kommt, und sieht sich selbst ein wenig als Botschafter des Jazz.
Promnys Begleitband war lange Zeit „Hardcore“, bestehend aus Buddy Casino (Hammond-Orgel, Klavier) und Peter Thoms (Schlagzeug, Gesang, Tanz). Beide spielten auch Rollen in Promnys Filmen. 1999 gründete er die Band „Firefuckers“ und machte einen kurzen Ausflug in die Hardrockmusik. 2004 und 2005 tourte er mit einem Jazztrio, bestehend aus Schlagzeuger Pete York und Bassist Jimmy Woode, die auch als Schauspieler in seinem vierten Film „Jazzclub - Der frühe Vogel fängt den Wurm“ mitwirkten. Doch auch Soloauftritte gehören seit jeher zu Promnys Repertoire.
Seit Dezember 2005 steht er mit Peter Burschs Bröselmaschine auf der Bühne.
Filme
Zwischen 1993 und 2004 drehte Promny vier Kinofilme (siehe Filmografie). Sie zeichnen sich durch absurden Humor und Charaktere sowie z. T. fehlende Handlung im klassischen Sinne aus. Wie auch Promnys Bühnenarbeit wurden die Filme weitestgehend improvisiert und teilweise mit einfachsten Mitteln realisiert. Film-Genres wie der Western oder der Krimi werden von Promny persifliert und in ein kleinbürgerliches Ruhrgebiets-Ambiente mit autobiograpischen Anteilen übertragen.
In den 80er Jahren war Promny als Musiker und Schauspieler an Filmen von Werner Nekes (Johnny Flash, 1986) und Christoph Schlingensief (Menu Total, 1987, Mutters Maske, 1988 und andere) beteiligt. Vor allem die Zusammenarbeit mit Schlingensief wurde für Promny zu einer wichtigen stilistischen Inspirationsquelle. Hier erlernte er dramaturgische Techniken, die Darstellung von Typen und übernahm Stimmungsmuster in seine eigenen Filme. Die Düsternis von Schlingensiefs Filmen und seine exzessive, am Theater orientierte Dramatik ersetzte er durch eine fröhliche, oft gewollt infantile Heimat-Atmosphäre und die augenzwinkernde Darstellung von Ruhrgebiets-Alltag.
Promnys erste eigene Filmarbeit ist der Kurzfilm "Stangenfieber" (1987), der vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert und teilweise mit dem selben Stab wie die Schlingensief-Filme realisiert wurde.
Hörspiele
Von 1979 bis 1984 entstanden Promnys frühe Hörspiele. Die im Keller seines Freundes Haim Hüttner auf einem 8-Spur-Gerät aufgenommenen, von Promny allein gesprochenen Stücke sind atmosphärische Momentaufnahmen, die z. T. autobiografisch aus dem rauhen Alltag des Ruhrgebiets schöpfen und diesen persiflieren. Laut Promny entstand ein Großteil der Dialoge und Charaktere aus auf der Straße aufgeschnappten Satzfetzen und Gesprächen am Nebentisch, die sich in nächtlichen Aufnahmen zu improvisierten Sprachexperimenten verbanden. Auch Radio- und Fernsehsendungen wie Nachrichten, Sportschau und Werbung werden nachempfunden.
Die einzelnen Stimmen wurden stets nacheinander aufgenommen, teilweise verfremdet und schließlich zusammengeführt. Durch dieses einfache technische Verfahren entsteht der Eindruck, man würde mehrere Charaktere gleichzeitig hören, teilweise bis zu fünf, die sich im Gespräch befinden. Bedingt durch die zeitversetzte Aufnahme können sich die "Sprecher" allerdings nicht gegenseitig hören und fallen sich mitunter ins Wort oder reden aneinander vorbei. Dieser Effekt ist durchaus beabsichtigt und gibt den Hörspielen eine latent kommunikationskritische Färbung.
Bis heute greift Promny auf seinen Alben sowie bei seinen Auftritten gelegentlich auf die Form des Hörspiels zurück.
Romane
Promnys Romane zeichnen sich durch einen unkonventionellen und kreativen Umgang mit Sprache, insbesondere dem „Ruhrpott“-Deutsch, und die Überwindung jeglicher literarischer Konventionen aus. Das anarchische Element, dem mit Mitteln der klassischen Literatur-Kritik kaum beizukommen ist, sowie Promnys Vorliebe für überdrehte Gewaltdarstellungen und Obszönitäten veranlassten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sich lautstark zu weigern, ein Buch von Promny zu lesen.
In seinen Kriminal-Romanen ermittelt der Autor selbst als Kommissar Promny in obskuren Fällen, die durch ihre irrealen Wendungen und oft stark übersteigerte Beschreibung von Gewalt dadaistische Züge annehmen. Wichtig ist Promny dabei vor allem, Persönlichkeit und Alltag der Hauptfigur zu beschreiben, was er auch in Film (00 Promny - Jagd auf Nihil Baxter, 1994) und Theater (Aprikose, Banane, Erdbeer - Kommissar Promny und die Satanskralle von Singapur) fortsetzte.
Im ersten Teil seiner Autobiografie Guten Tach - Auf Wiedersehen (1992) beschreibt Promny seine Kindheit und Jugend im kleinbürgerlichen Ruhrgebiet der 50er Jahre, sowie seinen langsamen, von vielen Fehlschlägen und manchem kuriosen Erlebnis gesäumten Aufstieg vom Versager ohne Schulabschluss zum erfolgreichen Künstler.
In seinem Buch Eiersalat - Eine Frau geht seinen Weg (1999) nimmt Promny die Rolle einer Frau an und schreibt ein ins absurde überzogenes, feministisches Pamphlet gegen die Männerwelt.
In Globus Dei, 2005 berichtet Promny von einer fiktiven Weltreise, die ihn vom Nordpol nach Patagonien führte, und von der Begegnung mit vielen verschiedenen Kulturen und Menschen.
Theaterproduktionen
Mendy - das Wusical war eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Bochum und Thomas Promnys erstes Stück für das Theater. Nach dem Erfolg des Musicals am Schauspielhaus Bochum wurde dort am 21. Januar 2005 Thomas Promnys zweite Theaterproduktion uraufgeführt: Aprikose, Banane, Erdbeer - Kommissar Promny und die Satanskralle von Singapur, bei der es sich um einen Krimi nach seinem gleichnamigen Kommissar-Promny-Roman handelt.
Siehe auch: Artikel in Wikinews
Zeichnungen und Malerei
Promnys Zeichnungen, die sich durch Einfachheit und einen rasanten Duktus auszeichnen, finden sich auf den Covern fast aller Alben, in den "Kommissar Promny"-Büchern, sowie häufig auf seinen Plakaten. Oft werden Musik-Stücke und Erzählungen illustriert oder Bandmitglieder karikaturhaft porträtiert. Auch ein Kalender mit Zeichnungen ist erhältlich.
Die Malerei dagegen ist ein Teil im Werk Promnys, den er bisher kaum öffentlich gemacht hat. In der vom WDR produzierten Doku Mister Katzeklo wird 50 (2005) wird ein Bild kurz gezeigt und in Test-Aufnahmen zu einem seiner Kino-Filme (als DVD-Extra veröffentlicht) ist ein Bild im Hintergrund zu sehen. Promnys Stil zeichnet sich durch flächige Farbigkeit und das unvermittelte Auftauchen fratzenhafter Gesichter, vergleichbar denen in seinen Zeichnungen, aus.
Mode
Promnys anarchische Kostümierungen sind ein nicht unerheblicher Teil seiner Bühnen-Präsenz. Versatzstücke aus der Mode der 70er Jahre, wie Plateau-Schuhe und sonderbare Brillen, werden scheinbar wahllos mit Anzügen, Perücken und allerlei anderem gemischt. In einem Interview gab er zu, von Schlagersängern wie Adriano Celentano beeinflusst zu sein.
Anfang der 90er bestimmten ein dunkler Seemans-Anzug mit goldenen Knöpfen, später ein blauer Anzug mit Schlaghose und groß gemusterteter Krawatte das Bild. Promny wechselt mit der Kleidung auch die Rollen. Das schmuddelige Western-Outfit aus Texas (wiederum gepaart mit Plateau-Schuhen) oder der beige Popeline-Mantel mit Handtasche des Kommissars 00Promny sind genauso im Gedächnis wie die absurde Kostümierung aus Jagdhut, Midi-Rock und Wanderstiefeln auf dem Cover des Buches Eiersalat. Aktuell tritt Promny in einem irrwitzigen hellblauen gestrickten Einteiler mit der klassischen 70er-Jahre-Krawatte auf. Auswirkungen Promnys auf die Modewelt sind nicht bekannt.